Notenschlüssel erklärt

Fünf Linien allein sagen noch nichts. Erst der Schlüssel am Anfang legt fest, welcher Ton wo liegt – und davon gibt es mehr als die zwei bekannten.

Warum es überhaupt Schlüssel gibt

Ein Notensystem bietet neun Plätze: fünf Linien und vier Zwischenräume. Das reicht für etwa eineinhalb Oktaven. Der Tonumfang der Musik ist aber viel größer – zwischen dem tiefsten Ton eines Kontrabasses und dem höchsten einer Piccoloflöte liegen mehr als fünf Oktaven.

Man könnte alles in ein einziges System schreiben und die Ausreißer mit Hilfslinien versehen. Genau das wollte man vermeiden: Sechs Hilfslinien übereinander kann niemand flüssig lesen. Die Lösung war, dieselben fünf Linien je nach Stimmlage unterschiedlich zu belegen. Der Schlüssel sagt, welche Belegung gilt.

Buchstaben, die zu Zeichen wurden

Alle Schlüsselzeichen gehen auf Buchstaben zurück. Im Mittelalter schrieb man an den Zeilenanfang schlicht den Namen des Tons, den diese Linie bedeuten sollte – ein g, ein f oder ein c. Über Jahrhunderte des Abschreibens wurden aus den Buchstaben verzierte Zeichen. Deshalb heißen die Schlüssel bis heute nach ihren Buchstaben, und jeder markiert genau die Linie, auf der sein Ton liegt.

Der Violinschlüssel (G-Schlüssel)

Die Spirale des Violinschlüssels umkreist die zweite Linie von unten – dort liegt das eingestrichene g. Von unten nach oben ergibt sich:

Linien: E   G   H   D   F

Zwischenräume: F   A   C   E

Merkhilfe: Die Zwischenräume ergeben von unten gelesen das Wort FACE. Für die Linien baut man sich einen Satz aus Wörtern mit E, G, H, D und F – zum Beispiel „Ein gutes Huhn dankt freundlich“.

Verwendet wird er für hohe Instrumente und Stimmen: Geige, Flöte, Oboe, Klarinette, Trompete, Sopran und Alt im Chor sowie die rechte Hand am Klavier.

Der Bassschlüssel (F-Schlüssel)

Seine beiden Punkte umschließen die vierte Linie von unten – dort liegt das kleine f. Dieselben fünf Linien bedeuten damit ganz andere Töne:

Linien: G   H   D   F   A

Zwischenräume: A   C   E   G

Er dient tiefen Instrumenten und Stimmen: Violoncello, Kontrabass, Fagott, Posaune, Tuba, Tenor und Bass im Chor sowie der linken Hand am Klavier.

Die Brücke zwischen beiden: Violin- und Bassschlüssel liegen genau eine Hilfslinie auseinander. Das eingestrichene c – das „mittlere C“ der Klaviatur – sitzt auf einer Hilfslinie unter dem Violinsystem und zugleich auf einer Hilfslinie über dem Basssystem. Im Klaviernotensystem, in dem beide untereinander stehen, ist es der gemeinsame Bezugspunkt.

Die C-Schlüssel

Weniger bekannt, aber im Orchester unverzichtbar sind die C-Schlüssel. Ihr Zeichen markiert die Linie, auf der das eingestrichene c liegt – und dieses Zeichen kann auf verschiedenen Linien stehen. Zwei Formen sind heute in Gebrauch:

Schlüsselc’ liegt aufVerwendet von
Altschlüsselder mittleren LinieViola (Bratsche)
Tenorschlüsselder vierten Linie von untenCello, Fagott, Posaune in hoher Lage

Der Sinn ist derselbe wie bei den anderen Schlüsseln: Die Bratsche liegt zwischen Geige und Cello, im Violinschlüssel bräuchte sie unten ständig Hilfslinien, im Bassschlüssel oben. Der Altschlüssel legt ihren Tonumfang bequem in die Mitte des Systems. Beim Cello wechselt man in hohen Passagen zum Tenorschlüssel, statt fünf Hilfslinien über dem Basssystem zu stapeln.

Oktavierende Schlüssel

Steht unter einem Violinschlüssel eine kleine 8, klingt alles eine Oktave tiefer, als es notiert ist. Diese Form nutzen Tenorstimmen im Chor und die Gitarre – bei ihr wäre die tatsächliche Lage sonst dauernd unterhalb des Systems. Seltener gibt es die 8 auch über dem Schlüssel, dann klingt es eine Oktave höher.

Derselbe Ton, zwei Bilder

Wer den Schlüssel wechselt, ändert nicht die Musik, sondern nur ihre Schreibweise. Eine Note auf der mittleren Linie heißt im Violinschlüssel H, im Bassschlüssel D – dasselbe Bild, ein anderer Ton. Genau damit spielt das Noten-Buchstaben-Rätsel: Weil sich dort jede Zeile einzeln umschalten lässt, ergibt derselbe Text in zwei Schlüsseln zwei völlig verschiedene Notenbilder.

Zum Üben beider Schlüssel gibt es den Notenlese-Trainer; die Herkunft der Tonnamen steht auf der Seite Notennamen erklärt, ein Überblick über die ganze Notenschrift auf Noten lernen.